Unsere mongolische Jurte – Geschenk und Lehrmeisterin

Als wir unser Crowdfunding Projekt geplant haben, saß ich eines Nachmittags vor dem Computer und schaute nach Jurten um den Preis abschätzen zu können. Da sah ich auf Ebay eine mongolische gebrauchte Jurte für einen Euro, ich dachte was schadet es ich kann ja mal bieten, auch wenn ich nicht daran geglaubt habe sie zu bekommen, da ich nur 150 Euro geboten habe. Aber tatsächlich, nach einem spannenden Nervenkrieg, war der Preis 120 Euro, ich konnte es nicht fassen, ich dachte, für den Preis gibt der Besitzer sie nie her und dann hat es über eine Woche gedauert bis er sich endlich gemeldet hat. In der Zeit spielten Freude und Zweifel ein Spiel mit mir. Dann der erlösende Anruf.

Doch schon stellten sich neue Herausforderungen ein, sie war nicht wie gedacht in Frankfurt am Main, sondern in der Nähe von Frankfurt an der Oder, unser toller Abholplan, scheiterte an den Kilometern. Nach langem Hin und Her schafften es Simon und Flo in einer zweitägigen Mammut Aktion die Jurte dort abzubauen, und hier her zu transportieren. Natürlich wollten wir sie so schnell wie möglich aufbauen.

Leider waren wir an dem ersten Termin nur zu viert, was daran liegen mag, dass das Wetter nicht so wirklich einladend war. Kalt, windig und zwischendurch mit Schneeregen.

Doch tapfer trotzen wir diesen Bedingungen und machten uns erst mal ans gründliche Sauber machen. Leider wollte die Jurte nicht so wie wir wollten.

Wir alle hatten noch keinerlei Erfahrung im Aufbau mongolischer Jurten, welcher sich sehr von dem Aufbau von Pfadfinder Jurten unterscheidet.

Wir wollten es naturnah direkt auf den Boden bauen, ich hatte das in Kirgisistan schon gesehen und es hatte mich damals schon sehr angesprochen.

Erst während des Bauens merkten wir, dass der Ort an dem wir sie aufbauen wollten doch mehr Gefälle hatte als angenommen. Durch wiederholtes schmerzhaftes Runterfallen der Stangen auf Kopf, Nase und sonstige Körperstellen, die nicht dazu gemacht sind fallendes Holz abzubekommen, waren wir alle schon ziemlich genervt. Als wir dann feststellten, dass das stundenlange herumprobieren zu keinem Erfolg führen würde, da durch die Schräge das ganze Gerüst in sich verdreht war, machte sich großer Frust breit.

In mehren Tagen waren Simon und ich dann beschäftigt den Boden vorzubereiten, zuerst wollten wir ihn abtragen, doch leider waren große Baumwurzeln im Weg, denen wir nicht schaden wollten, so bauten wir eine Plattform aus Paletten, Stangen und Steinen, auf dem die Jurte dann gerade stehen konnte. Wir wollten das stehende Gerüst nicht wieder abbauen und machten uns so das Leben unnötig schwer( haben wir natürlich erst im Nachhinein erkannt) weil wir das Gerüst immer wieder angehoben haben um dann den Unterbau unterzuschieben. Eine lange mühsame und recht planlose Arbeit die auch nicht unbedingt zum Erfolg führte. Doch dann war es soweit, es war fertig! Leider merkten wir, dass das Gerüst immer noch total verdreht war und alles nichts nutzte und wir es komplett nochmal abbauen mussten. Gott sei dank waren an diesem Tag viele meiner Freunde da und sie haben alles kräftig mit angepackt. Am Ende des Tages stand das Gerüst tatsächlich, sicher noch optimierbar aber immerhin.

Die nächsten Tage verbrachten Simon und ich damit das Filz auf das Gerüst auszubreiten, immer mit der latenten Angst, dass alles wieder zusammen bricht. Doch nachdem wir die kaputten Stellen ausgebessert hatten und auch dann noch das Überzelt darüber bekommen haben, ohne das irgendetwas schlimmes passiert ist, waren wir ziemlich optimistisch.

Wir beide fuhren für ein paar Tage weg, doch genau zu dieser Zeit tobte hier dieser gewaltige Sturm, im Hinterkopf hatten wir oft die Sorge, dass die Jurte dem Sturm nicht trotzen würde,

doch als wir wieder kamen war alles so weit so gut, es hatte nur das Überzelt etwas abgedeckt und rein geregnet, doch dieser Schaden war schnell behoben und wir haben eine gute Lösung dafür gefunden.

Zurzeit kleiden wir das Innenleben der Jurte mit OSB Platten aus, hängen schöne Stoffe auf und es wird allmählich ein richtig wohliger Ort.

Wir haben es sogar schon geschafft auf unserem Zeltofen zu kochen und am Besten warmen Tee zu machen. Ich heize den Ofen so oft wie möglich an, damit die Jurte ordentlich gepflegt wird und sie fängt an mir richtig ans Herz zu wachsen.

So durfte ich und darf noch immer, mit Hilfe dieser wunderschönen Jurte ganz viel über Wut, Angst, Kommunikation, Vertrauen, Geduld und Loslassen lernen. Auch viel über Freude und dass das Glück manchmal auf unerwarteten Wegen kommt.

Diese Jurte ist ein so unerwartetes Geschenk, sie bietet eine wunderbare Möglichkeit zu Übernachten, zu kochen und in einem kleinen Kreis auch bei niedrigen Temperaturen gemütlich zusammen zu sitzen.

Die große Jurte werden wir für Veranstaltungen benutzen, wenn mehrere Menschen zusammen kommen und sich auch bewegen wollen, sie wird flexibel und mobil sein und so mehrere Möglichkeiten bieten.

Zusammen bilden diese beiden Zelte die perfekte Ausgangslage um ein wirklich vielseitiges Camp zu errichten.

An dieser Stelle noch einmal einen großen Dank an alles Menschen die so fleißig mitgeholfen haben. Und danke an die Schöpfung die uns so reich beschenkt hat.