Perkunos Kaffee oder Muckefuck aus Eicheln

Die Eiche ist Donar/Thor (im preußischen Raum Perkunos) geweiht und Germanen wie Kelten hielten darunter so manchen Rat. Seit dem Menschen denken, nutzen wir, die uns gegebenen Früchte, kulinarisch und medizinisch. So ist es doch ein schönes Bild, sich die Gestalten aus grauer Vorzeit, einen dampfenden Becher haltend, unter einer Eiche sitzend und ihren Muckefuck1 schlürfend, vorzustellen.

Die Eicheln der Rot- und Sumpf-Eichen, mit ihrer kleinen kugeligen Wuchsform, lassen sich schwieriger verarbeiten (die äußere Schale ist sehr fest und löst sich schwer ab), als die großen länglichen der Stiel- und Trauben-Eiche. Am besten eignen sich die Früchte der Zerreiche. Sie bringt, mit bis zu 5 cm länge, die größten Eicheln hervor, bei denen die äußere Schale zumeist schon von selbst aufplatzt. Dennoch sind alle Eicheln für unser Vorhaben geeignet.

Sie alle haben den hohen Anteil an Gerbstoffen (Catechingerbstoffe) gemein. Für die medizinische Verwendung sind uns diese Gerbstoffe lieb – nicht so unserem Gaumen. Da der Nährwert2 dieser schönen Früchte, nicht zu vernachlässigen ist, wollen wir sie für die kulinarische Verwendung, als Heißgetränk oder Mehlersatz, aufbereiten.

Als erstes, werden die Eicheln von uns mit einem großen Messer  geviertelt oder, ganz unarchaisch, in einer Küchenmaschine zerkleinert. Das Ergebnis wird dann einige Zeit an einem warmen und trockenen Ort (ein paar Tage), oder bei ca. 50 Grad Celsius im Backrohr (ca. ½ Tag) getrocknet, um die Teile der äußeren und inneren Schale besser lösen zu können.  Jetzt wässern wir unseren Eichelbruch in einer großen Schüssel, so dass das Wasser ca. 3-5cm über dem Bruch steht, damit die Teile der äußeren und inneren Schale nach oben schwimmen und abgeschöpft werden können.

Zum Entfernen der Gerbstoffe lassen wir die gereinigten Eicheln mindestens 24 Stunden mit Wasser bedeckt stehen. Der so entstandene Sud kann für Heilanwendungen (z.B. für ein Sitzbad bei Hämorrhoiden oder Fluor Albus) verwendet werden, wobei sich dessen Wirkung mit jedem Aufguss verringert. Das Wässern über 24 Stunden wird solange wiederholt bis unser Eichelbruch genießbar ist. „Wie oft ist das denn?“ hier verlassen wir uns  auf unseren Geschmackssinn! Wenn der bittere und zusammenziehende Geschmack weg ist, ist es so weit (kann auch eine Woche dauern).

Als nächstes trocknen wir das Ganze wieder.

Wenn uns das Ausgangsmaterial noch zu grob ist, zerkleinern wir es, in dem wir es in eine Stofftüte oder in ein altes Handtuch geben und mit einem Hammer, Nudelholz, etc. „drauf haun“, so lange bis wir 3-4mm große Stückchen haben.

Jetzt ist unser Ausgangsmaterial für Eichelmehl oder Thors Kaffee fertig!

Was uns bei allen Muckefuck Arten an Kaffee erinnert, sind die Röstaromen. Also widmen auch wir uns der Königsdisziplin der Kaffee Herstellung, dem Rösten3. Da nur wenige eine Heimröst-Maschine besitzen, greifen wir auf unser Backrohr zurück. Wir schieben das Ausgangsmaterial bei 100°C – 200°C und Umluft ein, so lange, bis der Eichel-Bruch schön braun ist (12min – 40min). Vom Rösten in der Pfanne rate ich ab, da hier meist ein Teil verbrennt.

Wer nun den Elan hat mit einem Handmörser weiter zu arbeiten, soll sich nicht aufhalten lassen. Von meiner Seite „Hut ab!“ ich hab´s aufgegeben. Alle anderen reinigen ihre Kaffeemühle und verwenden diese für die weitere Zerkleinerung. Das so gewonnene Pulver wird, wie Kaffee, mit heißem Wasser überbrüht.

Wer die Eicheln als Mehl verwenden möchte, kann das Rösten auch weggelassen und anstelle der Kaffeemühle eine Steinmühle nehmen. Je nach Klebereigenschaft (variiert stark) und Verwendungszweck, kann es nun mit anderem Mehl oder alleine hergenommen werden.

Auch wenn die Heilwirkung, zusammenziehende (adstringierende) und vierenhemmende (virustatische), sich auf einen Auszug aus der Rinde4 bezieht, ist von unserer Zubereitung dasselbe in abgeschwächter Form zu erwarten. Wir haben ja auch, um einen milderen Geschmack zu erreichen, einen Teil der Gerbstoffe herausgezogen.

Zur inneren Anwendung (trinken) ist auch unser dritter und vierter Auszug gut zu verwenden bei: Durchfallerkrankungen (stopfende und Darm kräftigende Eigenschaft), Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, Entzündungen der Niere (z.B. Nephritis), Milzschwellung, Darmblutung im magennahen Bereich (z.B. Morbus Crohn), Bettnässen und starken Regelblutungen (Hypermenorrhoe).

Den ersten und zweiten Auszug nehmen wir bei äußerlich (Auflage, Sitzbad oder Klistier) zu behandelnden Beschwerden wie: schwer heilenden Wunden, Ekzemen, Hämorrhoiden, Darmblutungen im absteigenden Dickdarm (z.B. Colitis Ulcerosa), Bettnässen, starken Regelblutungen (Hypermenorrhoe) und weißem Ausfluss aus der Scheide (Fluor Albus).

In der Humoralmedizin wird die Eiche als trocken und warm im mittleren Grad gewertet, ihre Wirkweise mit zusammenziehend beschrieben.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Wirkstoffe der Eiche die Resorption von Alkaloiden und anderen basischen Arzneistoffen verringern oder verhindern könnten.

 

Viel Spaß allen Selbermachern beim Aus-Probieren.

 

Euer FCL

 

1 Die Bezeichnung Muckefuck stammt wahrscheinlich von dem französischen „moka faux“ [mɔka fo] was so viel wie falscher Mokka bedeutet.

 

2 Kohlenhydrate (Stärke und Zucker) 40-50%, Fette 15-23%, Proteine 6-8% . Die Schwankungen resultieren, meines Erachtens, aus der Wahl der Sorte und Zubereitung.

 

3 Wer noch mehr Ideen für das Rösten möchte -> Artikel

 

4 Hier ist die Rinde von bis maximal 5cm starken nicht borkigen Ästen gemeint. Am besten lässt sie sich im Frühjahr ernten, wenn Kore/Persephone das Leben und die Säfte wieder mitbringt und fließen lässt.