Wenn die Vision zur Wirklichkeit wird

Ich liege in meinem neuen provisorischem Bett, der erste Tag an dem es nichts dringendes zu tun gibt und ich Zeit habe das Geschehene sacken zu lassen.
Ich bin müde und ängstlich. Etwas angespannt und unsicher. Eigentlich sollte ich mich doch freuen, eigentlich sollte ich aus den Luftsprüngen nicht mehr heraus kommen.
Denn es ist vollbracht, jahrelanges Wünschen und Sehnen, Hoffnungen und Enttäuschungen haben sich aufgelöst.

Wer bin ich ohne all das?

Eine die es geschafft hat, ihr Mission erfüllt hat, ihren Traum hat wahr werden lassen. Seit meiner Kindheit habe ich davon gesprochen, mit Ende der Schulzeit wurde es immer konkreter, zahlreiche Versuche unternommen, mit immer wechselnden Menschen und immer wieder die Niederlage, das Scheitern, die Enttäuschungen und die Angst aufs Neue zu Hoffen und zu Versagen.
Und auf einmal ging alles so schnell. Anfang des Jahres habe ich den Think Big Evolution Kurs von Veit Lindau gemacht mit dem Ziel diesen Traum bis Ende des Jahres zu manifestieren. Vor zwei Wochen hatten wir eine Schwitzhütte zu genau diesem Thema, am nächsten Tag kam die Nachricht, dass Freunde von uns ein Objekt ausgeschrieben gesehen haben und es wir uns ansehen sollen, am selben Tag haben wir angerufen und es uns angeschaut, wir waren begeistert, dann hat es eine weitere Woche gedauert bis wir alle Bewohner kennengelernt haben und dann am Mittwoch kam das OK, dass wir einziehen dürfen. Am Freitag haben wir die Wände abgeschliffen, Samstag gemalt und Sonntag sind wir umgezogen. Gestern habe ich dann fast alle Kartons ausgepackt und das Zimmer so weit es mir möglich war wohnlich zu gestalten und jetzt ist der erste freie Tag an dem ich das sacken lassen kann.
Die Woche davor habe ich gedacht es wird eh nichts ich war verzweifelt, weil ich mich vom Leben verraten gefühlt habe, mir so etwas zu präsentieren was in allen Punkten meiner Vorstellung entsprach und es mir dann zu versagen. Wir sollten zu einem Vorgespräch kommen hatten aber Ausbildungswochenende und ich war sicher , dass jemand von den anderen Interessenten genommen werden würde. An diesem Wochenende hatten wir den großen Sterbeprozess und ich wusste das einzige was mich hindert in Frieden zu gehen ist, diese mir selbst auferlegte Aufgabe, diesen Ort zu erschaffen, doch ich habe den Traum es zu bekommen so gut es geht losgelassen und jetzt bin ich hier.

Überwältigt

Wie fühle ich mich? Es ist fast zu groß, es fühlt sich unwirklich an und trotzdem so als ob es schon immer so wäre.

Ich habe Angst die anderen Bewohner zu enttäuschen, weil ich gerade meinen Rückzug brauche um all das zu verdauen, ich habe Angst, dass sie denken, dass sie sich falsch entschieden haben als sie uns das ja gegeben haben, dass sie sich mehr von uns erhofft haben. Oder ich mehr von ihnen?

Worum geht es eigentlich konkret.

Mein Wunsch war es einen Ort zum Sein zu erschaffen, ein Haus an dem jeder seinen Platz seinen Rückzugsort hat und gleichzeitig etwas großes gemeinsames entsteht. Etwas das über uns hinaus geht und dem Wohl der Menschen und der Welt dient, weil es ein Ort ist, an dem jeder Kraft tanken und heilen kann und diese Anstöße wie Wellen ins Leben hinausträgt.
Mir war wichtig dass es viel Platz gibt, es ruhig ist, ich die Berge sehen kann und Wasser da ist.

All das ist gegeben und sogar noch ein riesiger Gemeinschaftsraum an dem wir Seminare geben können. Wir haben vier Hektar Land, eigene Quellen und einen Bachlauf, drei Fischteiche, links und rechts gibt es nur Felder und gleichzeitig sind wir nah genug an der Zivilisation, dass die Versorgung und das Erreichen ganz super funktioniert.
Und das Beste ist, dass ich einen liebevollen Partner an meiner Seite habe der das alles mit mir teilt. Und meinen Traum zu dem seinigen gemacht hat und ihn durch seine Art erweitert und möglich gemacht hat.

Doch gerade herrscht die Angst vor, das lang ersehnte Ziel zu haben und dann festzustellen, dass es mich nicht erfüllt, dass es sich nicht so gut anfühlt wie erhofft, mit den Menschen nicht zurecht zu kommen, das Clangefühl nicht zu erleben oder ich mit der Nähe überfordert bin? Verliere ich mich selbst in den Beziehungen zu den anderen, in deren Vorstellungen und der Gruppendynamik?

Gleichzeitig merke ich wie hinter dieser Panik eine unendliche Gelassenheit und Erleichterung liegt, die durch die Bestätigung kommt, dass ich alles schaffen kann wenn ich es wirklich möchte, durch die Kraft meines Bewusstseins und dass das Urvertrauen zurückgekehrt ist, dass es das Leben gut mit mir meint und mich jeder Schritt genau hier her geführt hat, mich das Leben all das gelernt hat um bereit zu sein mit dem umzugehen was jetzt kommt und dass es egal ist was kommt, da ich weiß mein Lebenstraum ist einmal erfüllt worden und wenn ich es mag wird sich das wiederholen oder ich suche mir einen neuen. Auf einer tiefen Ebene herrscht ein ewiger Friede. Die Angst ist wohl das letzte Aufbäumen der alten Muster die wissen, dass sie jetzt gehen müssen, dass sie verloren haben, da ihnen der Nährboden entzogen ist.
Der alte Glaubenssatz der bezweifelt ob ich das Recht habe wirklich glücklich zu sein und dass es das Leben nicht gut mit mir meint, hat jetzt keine Berechtigung mehr.

Ich habe einen wunderbaren Partner. Ich habe meinen Herzenswunsch erfüllt und ich sehe einer großartigen Zukunft voller unendlicher kostbarer Möglichkeiten entgegen, das einzige was jetzt noch zählt ist, wofür ich mich entscheide.

Also lehne ich mich jetzt zurück, beobachte mein Unwohlsein, gebe ihm den Raum den es braucht und bleibe dennoch so gut es geht in meiner Mitte und im Vertrauen, da ich weiß:

Es gibt nichts zu tun.

 

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